Das Immunsystem einer Gesellschaft: †berlegungen im Jahr 2016

Marianne Steenken & Jochen Gruber


"Die Menschen hinter diesen †berwachungsprogrammen sind hauptsŠchlich an der StabilitŠt der Regierung interessiert, an der Perpetuierung des Status Quo. Wir mŸssen erkennen, dass dies ihre Mission ist, dies ihre PrioritŠt ist. Wir wissen genau, wir haben klare Beweise, dass MassenŸberwachung nicht unser Terroristenproblem lšst. Es gibt Ÿberzeugende Beweise dafŸr, dass sie noch nicht einmal substantiell hilft, und es gibt einiges Beweismaterial dafŸr, dass sie tatsŠchlich schadet. Woraus sich natŸrlich unweigerlich die Frage ergibt: "Na gut, warum machen wir das denn?"


Diese Organisationen sind nicht dumm. Sie haben viele Experten, sie haben riesige, enorme Budgetmittel. Also, warum machen sie es? Und die Antwort ist eigentlich ziemlich offensichtlich: Vielleicht ist das alles nicht wirksam, um Terrorismus zu verhindern, aber natŸrlich muss es wirksam sein gegen irgendetwas anderes. Das ist die RealitŠt hinter der †berwachung: Diesen Programmen ging es nie um Terrorismus. Es geht ihnen um Wirtschaftsspionage, diplomatische Manipulationen und gesellschaftliche Kontrolle. Letzendlich geht es ihnen um Macht, um den Gewinn von Einfluss gegenŸber anderen Gruppierungen innerhalb unserer Gesellschaft und in der Welt."

Edward Snowden in der VolksbŸhne Berlin am 22. September 2016


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ThinThread: Erkennen von Strukturen in unserer Gesellschaft

Bildquelle: "A Good American", ein Film von Friedrich Moser, 2016



Ist es nicht aufschlussreich, wie sich in den letzten Jahren mithilfe der IT ein gesellschaftliches Immunsystem mit zunŠchst zwei erkennbaren Strukturen herausbildet? So interpretieren Marianne und ich die Diskussionen Ÿber Terrorabwehr in unserer Demokratie.


GestŸtzt auf Forschung wie sie im Global Brain Institute gemacht wird, meinen wir zu sehen, dass unsere europ‰ischen Demokratien noch so unerfahren flexibel sind, dass

  1. einerseits Regierung und Parlament dabei sind, eine gesellschaftliche Autoimmunkrankheit (d.h. Zerstšrung demokratischer Grundlagen und Einrichtungen) zu entwickeln, wie es im Deutschland der 1920er und 1930er Jahre (anders als in der gleichen Zeit und ganz Šhnlichen wirtschaftlichen UmstŠnden in den USA) geschah. Als Folge davon zerstšrte sich unser und riss einen gro§en Teil der Welt mit sich: AutoimmunitŠt.
  2. andererseits Whistleblower, Experten, Fachleute (Juristen, Informatiker, SachverstŠndige, NGOs) vor totalitŠren Denk- und Vorgehensweisen warnen: Das gesellschaftliche Immunsystem lernt.

Solche Immunprozesse laufen in jedem lebenden System ab, sei es ein biologisches oder ein gesellschaftliches. Alle -zunŠchst in der Neurobiologie definierten- Voraussetzugen fŸr die Entwicklung eines strukturell neuen und aktiven gesellschaftlichen Bewusstseins sind durch das Internet erfŸllt. Ich fŸhle deutlich den Unterschied zwischen den 1960ern und heute.

Der politische Ausgang ist daher aus der Geschichte nicht vorhersagbar, glauben wir. Das passende Vorstellungsmodell wird statt aus der Soziologie zunŠchst aus der Biologie kommen.


Mehr dazu haben wir versuchsweise einmal als Denkhilfe zusammengestellt.


Version: 29.12.2016

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