Panorama führt Zuschauer zum Thema Fracking in die Irre.

Kommentar zur Panorama-Sendung am 4.9.2014 "Brennende Wasserhähne: Wie gefährlich ist Fracking"

von

Joachim Gruber


Unter Ausnutzung der unzureichenden Datenlage stellte der Panorama-Bericht Fracking als eine Technologie dar, deren Risiken sich im Rahmen derer von anderen Technologien hielten. 


In seiner Stellungnahme dazu bekräftigt das Umweltbundesamt seine eigene Einschätzung aus dem Jahr 2012: Zu einer fundierten Beurteilung der Risiken und deren technischer Beherrschbarkeit fehlen aus UBA-Sicht viele und grundlegende Informationen.



I. Faktenlage zum Fracking

I.1 Umweltbundesamt

Das UBA hat 2012 in einem Gutachten "Umweltauswirkungen von Fracking bei der Aufsuchung und Gewinnung von Erdgas aus unkonventionellen LagerstättenKurzfassung" festgestellt:


5. Handlungs- und Verfahrensempfehlungen

Im Zusammenwirken mit entsprechenden technischen und geologischen Wirkungspfaden können die stofflichen Gefährdungspotenziale von Vorhaben zur Erkundung und Gewinnung unkonventioneller Erdgas-Vorkommen mittels Fracking zu Risiken für die Umwelt werden. Wir haben festgestellt, dass es in den verschiedenen Geosystemen mehrere solcher Wirkungspfade geben kann. Eine belastbare Datenbasis, auf deren Grundlage wir die Besorgnis einer Gefährdung der oberflächennahen Wasservorkommen sicher ausschließen können, haben wir derzeit nicht. Auch die entsprechenden Werkzeuge und Methoden (z.B. numerische Grundwassermodelle) können aufgrund der lückenhaften Datenbasis gegenwärtig nur überschlägige Ergebnisse liefern.


Zu einer fundierten Beurteilung der Risiken und deren technischer Beherrschbarkeit fehlen aus unserer Sicht viele und grundlegende Informationen. Dazu gehören z.B. Kenntnisse des Aufbaus und der Eigenschaften der tiefen Geosysteme (Durchlässigkeiten, Potenzialdifferenzen), die Identität der eingesetzten Frack-Additive und Daten zu deren chemischen und toxikologischen Eigenschaften. Für diese Informations und Datendefizite gibt es mehrere Ursachen: (a) Informationen und Daten sind nicht (frei) zugänglich, (b) Informationen und Daten sind bisher nicht ausgewertet und/oder (c) es bestehen Wissenslücken, die nur durch weitere Untersuchungen und Forschung zu schließen sind. ...


Das UBA vertritt nach wie vor dieses Forschungsergebnis. 


I.2 Deutsche Akademie der Technikwissenschaften

Rolf Emmermann (Leitung, Projekt "Hydraulic Fracturing – eine Technologie in der Diskussion") von der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech) stellt in der Panorama-Sendung fest,  ein generelles Verbot von Hydraulic Fracturing sei auf der Basis von wissenschaftlichen und technischen Fakten nicht begründbar (Rolf Emmermann, Projektleitung, "Hydraulic Fracturing – eine Technologie in der Diskussion", 4. September 2014).


I.3 Panorama

Unter impliziter Ausnutzung der unzureichenden Datenlage stellt demgegenüber der Panorama-Bericht Fracking als eine Technologie dar, deren Risiken sich im Rahmen derer von anderen Technologien hielten. 


II. Meine Reaktion

Ich habe bei Panorama auf dieser Seite ...

http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2014/fracking576_page-2.html


... folgenden Zuschauer-Kommentar abgegeben:


"Das Umweltbundesamt hat die Sendung als 'irreführend' bezeichnet:

http://www.umweltbundesamt.de/themen/hat-panorama-recht


Es führt u.a. aus:

"Die Risikobewertung des Umweltbundesamt für das Schiefer- und Kohlegasfracking basiert nicht auf dem vom NDR zitierten Gutachten der RISK COM GmbH aus dem Jahr 2014. Diese basiert auf dem Gutachten der Firma ahu AG und dem Rheinisch-Westfälisches Institut für Wasser, IWW. Diese wurde 2012 veröffentlicht.


... Die Redaktion des NDR hat dem UBA zu keinem Zeitpunkt mitgeteilt, dass sie mögliche Widersprüche zwischen dem Gutachten der RiskCOM Gmbh und der Risiko-Einschätzung des Umweltbundesamtes ansprechen möchte und um eine entsprechende Kommentierung der Äußerung der Firma und dessen Leiter Herr Dannwolf wünscht. Bei so einer Vorgehensweise hätten sich die vermeintlichen Widersprüche schnell aufklären lassen."


III. Hintergrundmaterial


III.1 Mitteilungen des Umweltbundesamts

Fracking

"... Die Fracking-Technologie kann zu Verunreinigungen im Grundwasser führen. Besorgnisse und Unsicherheiten bestehen besonders wegen des Einsatzes von Chemikalien und der Entsorgung des anfallenden Abwassers (Flowback)."

... 

"Erstes UBA-Gutachten zu Umweltauswirkungen von Fracking (2012) 

... Eine wissenschaftliche Bewertung der in der UBA-Stellungnahme von 2011 benannten Risiken erfolgte durch ein im Rahmen des Umweltforschungsplans gefördertes Gutachten „Umweltauswirkungen von Fracking bei der Aufsuchung und Gewinnung von Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten“. Darin raten die Gutachter davon ab, Fracking derzeit großflächig zur Erschließung unkonventioneller Erdgasvorkommen in Deutschland einzusetzen. "


Umweltauswirkungen von Fracking bei der Aufsuchung und Gewinnung von Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten (2012) 

- Kurzfassung  (Cache)

"Im Zusammenwirken mit entsprechenden technischen und geologischen Wirkungspfaden können die stofflichen Gefährdungspotenziale von Vorhaben zur Erkundung und Gewinnung unkonventioneller Erdgas-Vorkommen mittels Fracking zu Risiken für die Umwelt werden. Wir haben festgestellt, dass es in den verschiedenen Geosystemen mehrere solcher Wirkungspfade geben kann. Eine belastbare Datenbasis, auf deren Grundlage wir die Besorgnis einer Gefährdung der oberflächennahen Wasservorkommen sicher ausschließen können, haben wir derzeit nicht. Auch die entsprechenden Werkzeuge und Methoden (z.B. numerische Grundwassermodelle) können aufgrund der lückenhaften Datenbasis gegenwärtig nur überschlägige Ergebnisse liefern."


"Zu einer fundierten Beurteilung der Risiken und deren technischer Beherrschbarkeit fehlen aus unserer Sicht viele und grundlegende Informationen. Dazu gehören z.B. Kenntnisse des Aufbaus und der Eigenschaften der tiefen Geosysteme (Durchlässigkeiten, Potenzialdifferenzen), die Identität der eingesetzten Frack-Additive und Daten zu deren chemischen und toxikologischen Eigenschaften. Für diese Informationsund Datendefizite gibt es mehrere Ursachen: (a) Informationen und Daten sind nicht (frei) zugänglich, (b) Informationen und Daten sind bisher nicht ausgewertet und/oder (c) es bestehen Wissenslücken, die nur durch weitere Untersuchungen und Forschung zu schließen sind. ..."


"Zweites Gutachten zu weiteren Aspekten des Frackings (Abschluss Juli 2014)

... In dem Gutachten werden die im ersten UBA-Gutachten benannten offenen Fragen sowie weitere aktuelle umweltrelevante Themen der Schiefergasgewinnung durch Fracking untersucht. Die Arbeitspakete werden von einem Forschungskonsortium unter Leitung der RiskCom GmbH bearbeitet:


1. Monitoringkonzept Grundwasser (RiskCom GmbH)

2. Frackingchemikalien – Kataster (Anwaltskanzlei Steiner)

3. Flowback – Stand der Technik bei der Entsorgung, Stoffstrombilanzen (ISAH, Uni Hannover)

4. Aufbereitung des Forschungsstands zur Emissions-/Klimabilanz (Internationales Institut für Nachhaltigkeitsanalysen und -strategien)

5. „Scoping“ Untersuchung der Emissions-/Klimabilanz in Deutschland (Internationales Institut für Nachhaltigkeitsanalysen und -strategien)

6. Induzierte Seismizität (HarbourDom Consulting GmbH)

7. Naturschutz und konkurrierende Nutzungen (OECOS GmbH)"


III.2 Deutsche Akademie der Technikwissenschaften (acatech)

Bericht aus dem Projekt „Hydraulic Fracturing – Eine Technologie in der Diskussion"

Berlin, 4. September 2014


"In ihrem Bericht aus dem Projekt konstatiert die von acatech Präsidiumsmitglied Rolf Emmermann geleitete Projektgruppe: Ein generelles Verbot von Hydraulic Fracturing erscheint auf der Basis von wissenschaftlichen und technischen Fakten nicht begründbar. Der Einsatz der Technologie muss allerdings strengen Sicherheitsstandards folgen, klar geregelt sein und umfassend überwacht werden. In Deutschland gelten bereits heute strenge technische Anforderungen an alle Verfahrensschritte des Bohrens, Untertage-Engineerings und Hydraulic Fracturings."


"Wichtig erscheinen der Projektgruppe in der gegenwärtigen Situation wissenschaftlich begleitete Demonstrationsvorhaben. Diese sollten unter klaren Auflagen und zu vorgegebenen Standards ausgeführt werden. Die Auswertung der Ergebnisse und Erfahrungen ermöglicht eine ständige Weiterentwicklung und Anpassung der Methoden. Zugleich wird durch behördlich überwachte Operationen und die transparente Information der Öffentlichkeit Vertrauen aufgebaut, auf das zukünftige Projekte aufbauen können. Dies gilt sowohl für die Schiefergasförderung als auch für die Tiefengeothermie. Die Umsetzung der Demonstrationsvorhaben sollte den höchsten Standards („Best Practice“) entsprechen. Diese Standards werden in dem Projektbericht weiter ausgeführt."


III.3 Panorama 

Brennende Wasserhähne: Wie gefährlich ist Fracking?

von Thomas Berbner, Johannes Jolmes & Jasmin Klofta

Text zur Sendung - Teil 1 (Cache),Teil 2 (Cache)


Panorama demonstriert 7 Minuten 30 Sekunden nach Beginn der Dokumentation die Ungefährlichkeit des zum Fracking injizierten Wassers: 


Sprecher: "Seit einigen Jahren veröffentlicht Exxon die Zusammensetzung der Injektionsflüssigkeit. Die eigens für Schiefergas entwickelte Rezeptur enthält 99.8% Wasser."


Auf einer im Bild sichtbaren Flasche mit einer klaren Flüssigkeit steht: "Frac Fluid Schiefergas - Wasser 99.8 %, Cholinchlorid 0.14%, Butylglycol 0.06%") 


Sprecher: "Wenn es so ungefährlich ist, wie behauptet, dann müsste man es eigentlich auch trinken können."


Daraufhin trinken drei Mitglieder der Fracking Crew von EEPCI (Esso Exploration and Production Chad Inc) das Wasser mit den Worten "Wenn es der Sache dient, trinken wir es." 


Sprecher:" Exxon tritt ein in den Kampf der Symbolbildner. Ist das wirklich sicher für das Grundwasser in Deutschland?" 


EEPCI-Mitarbeiter: "Aus unserer Sicht ja. Absolut. Wirklich." 

III.4 Umweltinstitut München: NDR-Sendung verharmlost Fracking

10.9.2014
(cached)

Zur Erdbebengefahr wird Prof. Kümpel von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe zitiert. Die Gefahr von Erdbeben durch den eigentlichen Fracking-Vorgang werde stark übertrieben, so Kümpel. Doch entsteht die Erdbebengefahr ja auch gar nicht während des Fracking-Prozesses selbst, sondern durch die anschließende Verpressung des Lagerstättenwassers in den Untergrund, wie mehrere wissenschaftliche Studien aus den USA zeigten. Bei Lagerstättenwasser handelt es sich um Wasservorkommen in tiefen Gesteinsschichten, die in der Regel mit Schwermetallen und Arsen sowie natürlichen radioaktiven Stoffen und Kohlenwasserstoffen hoch belastet sind und die bei Fracking gemeinsam mit dem Frac-Fluid an die Oberfläche gepumpt werden.


Version: 12.9.2014

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